Vita

2019 Arbeitsaufenthalt Italien und Israel

2017 Arbeitsaufenthalt Italien

2014 Arbeitsaufenthalt Österreich

2011 Arbeitsaufenthalt Südamerika

2010 Eintritt in Solinger Künstler e.V.

2010 Meisterschülerin von N. Schrudde und W. Hambrecht

2006-2010 Studium Malerei/Grafik/interdisziplinäre Arbeit, fadbk, Essen

 

Publiktionen

2018 pfähle - judithfunke - collagen und fallen schatten - ute dietl - lyrik

2016 auf eine art - ute dietl - lyrik und atolle - judithfunke - malerei

2014 judith funke - malerei ..und... ute dietl lyrik

 

Projekte

2020 Zöpfe

2020 Stalking III und Stalking IV (Tel Aviv)

2016 Lückensprung

2016 Raumausmalung II, Remscheid

2014 Löschpapier (Pichl b. Wels)

2011 Raumausmalung I (Tatort), Solingen

2011 Stalking I+II (Buenos Aires + Quito)

 

Ausstellungen / Exhibitions

2020 open art - Plakatkunst in Solingen

         CONNECTED 2.0, aha (Depot), Aachen,

         BLIXEMSNEL, Amsterdam (E)

 Sicher nicht Sicher, Kunstmuseum Solingen

2019 out of the box, Ness Ziona, Israel (K)

 wer an Wunder glaubt ..., Ins Blaue Art Gallery, Remscheid (E)

 Kunstpunke 2019

 und die Wände schauen zurück ..., Galerie plan.d., Düsseldorf

 Hidden Layers, Kunstmuseum Solingen (E)/(K)

 Von Orkas und anderen Tieren, Museum Aquarius, Mülheim/Ruhr

 Von Orkas und anderen Tieren, KulturBADEHAUS, Burscheid

2018 VON ORKAS UND ANDEREN TIEREN, Galerie SK, Solingen

 Lückensprung 3, bkb Galerie 13, Bochum

 WILDRAUSCHEN, KüFo Remagen (E)

 SKosmos, Kunstmuseum Solingen

 8 Künstlerinnen - 8 Blickwinkel, Meerbusch

2017 sommersalonsammelsurium, plan d, Düsseldorf

 Störung, Kunstmuseum Solingen

2016 auf eine art - atolle, Simmern (E)

 Kunstkaufhaus, Galerie SK, Solingen

 Ins Blaue, Streets-Festival, Remscheid

 Lückensprung, Galerie SK, Solingen

 Lückensprung, ArToll Kunstlabor, Bedburg-Hau

 Positionen, Kunstmuseum Solingen

2015 eighth floor # 01, RUHRTURM. Essen

 Aichacher Kunstpreis, SanDepot-Halle, Aichach

 6 Künstlerinnen, Scheidt'sche Hallen, Essen

 cut across, Galerie SK, Solingen (E)/(K)

 trespassing, Atelier Smith, Solingen

 Orange geht auch, SSK, Solingen (E)/(K)

2014 Ohne Titel, Kunstmuseum Solingen

 Löschpapier, Internationales Kunstsymposion, Pichl (Österreich)

 done and dusted, Galerie Künstlerbunker, Leverkusen

 Moment mal 4, Galerie SK, Solingen

2013 PUNKT, Kunstmuseum Solingen (K)

 Kunstauktion im Kunstmuseum Solingen

 DOUBLE IMPACT, Amtsgericht und Landgericht, Düsseldorf (E)

2012 Über weiß hinaus, Kunstmuseum Solingen

 Auf die Spitze getrieben, Treppenhausgalerie, Düsseldorf (E)(K)

 Salon # 1, temporary projects, Essen

 Again, Atelier Smith, Solingen, mit temporary projects

 Moment mal 2, Galerie SK, Solingen

2011 Blickfeld, Kunstmuseum, Solingen (K)

 Salongalerie, temporary projects, Essen

 Wechselfeld, Galerie artclub, Köln

 Moment mal!, Galerie SK, Solingen

 Konkretes, Galerie Blickfang, Wuppertal (E)

 Zur Zeit, Galerie SK, Solingen (E)(K)

2010 Eskapaden, Museum Baden, Solingen

 Druck, fadbk Essen

 Examenspräsentation, fadbk Essen (E)(K)

 all ready 2010, Atelier Smith, Solingen, mit temporary projects

 Glänzende Aussichten, fadbk Essen

2009 420 x 297 alles im Maß, fadbk Essen (K)

 Kraftzentrale, Kraftzentrale Düsseldorf (K)

 Wir haben uns sehr um die Prinzessin bemüht, Essen

 Blinder Passagier, fadbk Essen (K)

 

(E) Einzelausstellung / Solo Exhibition

(K) Katalog

Neugierde auf das Unbekannte

Serielle Metamorphosen erlauben mir aufkeimende Aspekte meiner Arbeit immer wieder neu auszurollen und zu untersuchen. Dabei geht es nicht um die Bedeutung der Farbe oder Form, sondern um die immanente Veränderung der strukturellen Eigenschaften. Formen der Darstellung wechseln ihre Gestalt, die Farbe, die Konsistenz und ihre Oberfläche. Der kontinuierliche Wechsel meines Blickwinkels beflügelt meine Inspiration und lässt meine Malerei frei fließen.

 J. Funke,  April 2020

Exploring the Unknown

Serial metamorphoses enable me to re-examine and investigate emerging aspects of my work. Whereby the focus is not on colour or shape, but on the inherent changes of the underlying structural properties. Forms of representation are shifting in shape, colour, consistency and surface. The constant change of my perspective inspires my inspiration, allowing the process of painting to flow freely.

J. Funke, April 2020

Farbe ist für mich Material und Widerstand.

Ich trage die Farbe auf, schichte sie, stelle sie nebeneinander, mische sie, kläre sie, setze Kontraste. Es ist für mich eine sinnliche Erfahrung mit Farbe zu arbeiten.
Farbe als Widerstand:
Sie führt ein Eigenleben, verselbständigt sich, breitet sich aus, nimmt Platz, verändert meine Wahrnehmung. Die Farben kommunizieren miteinander und mit mir. Sie ziehen sich zurück, lassen eine Oberfläche und/oder Tiefe entstehen.
Ein Seil war mein Ausgangspunkt. Inzwischen interessiert mich daran die Idee des Seils. Das Seil wurde zu einem langen Band, einer Linie, einer Bewegung und Dynamik, die ich auch körperlich wahrnehme und mit dem Pinsel nachempfinde. Ich lasse die Farbe über die Bildränder hinaus auf den Raum wirken. Durch die Arbeit direkt auf der Wand im Raum arbeite ich in einer weiteren Dimension.
Ich stehe mitten in der Farbe, sie ist um mich herum.

J. Funke, 2016

Color is material and resistance for me

I apply the colours, layer them, put them next to each other, mix them, define them, set contrasts. For me it is a sensual experience to work with colours.

Colour as resistance:

They live their own lives, they become independent. Spread themselves out, take over space, change my perceptions. The colours communicate with one another and with me, they retreat, let a surface and/or depth develop.

A rope was my starting point. In the meantime I am interested by the idea of rope. The rope became a long tether, a line, a movement and dynamics that I also perceive physically and then recreate with the brush. I let the colours effect the room beyond the edges of the painting. By working directly on the wall in the room I work in a different dimension.

I am standing in the middle of the colours, they surround me.

J. Funke, 2020

Texte:

Katalogtext von Anna Zika zur Ausstellung Hidden Layers im Kunstmuseum Solingen, 2019

 

Hidden layers von Judith Funke oder:

 

Wie entsteht ein Bild?

 

Mit großer Selbstverständlichkeit nennen wir „Landschaft“ das, was wir sehen, wenn wir unsere städtischen Lebensräume verlassen und uns in die „Natur“ begeben. „Landschaft“ erscheint Vielen als „Gewachsenes“, als Gegenmotiv zu „Kultur“ oder „Technik“. Tatsächlich bezeichnet der Begriff „Landschaft“ seiner Entstehungsgeschichte nach seinerseits etwas „Geschaffenes“. Gemeint ist nämlich das von Menschen gemäß seinen Bedürfnissen nach Nahrung und Wohnungsmaterial zugerichtete „Land“. Landschaft ist also nicht einfach da, sondern sie wird gemacht. Umgekehrt verstanden sich Menschen als Teil der Landschaft, die sie zu ihrem eigenen Nutzen bearbeiteten. Daher war ihnen der genießende Blick auf Landschaft (etwa als Erholungsraum) verstellt. Erst mit voranschreitender Entwicklung von städtischen Ballungsgebieten im 14. Jahrhundert kam es zu einer Arbeitsteilung zwischen land(wirt)schaftlichen Aufgaben (anbauen, ernten, fischen, jagen etc.) und deren kommerzieller Auswertung auf den Märkten der Städte. Da die Stadtbürger von der harten körperlichen Arbeit in der Landschaft „freigestellt“ waren, wurde es ihnen möglich, Landschaft als das von ihnen verschiedene zu betrachten und in dieser Betrachtung etwas Angenehmes zu entdecken. Es sollte dann aber noch bis etwa 1500 dauern, dass „Landschaft“ ein eigenständiges Bildthema wurde, denn solange bestand die Hauptaufgabe von Malern noch darin, das „Heilige“ darzustellen, also Bilder göttlichen Wirkens zu schaffen oder Szenen aus dem Leben Jesu, der Jungfrau Maria oder der zahlreichen zu verehrenden Heiligen zu visualisieren. Und selbst, wo Landschaft ein Ort für eines dieser Geschehen hätte sein können, wurde sie von den Malern eher stiefmütterlich behandelt. Bereits um 1445 aber hatte der gebürtige Schwabe Konrad Witz für die Genfer Kathedrale St. Peter ein Altarbild gemalt, das den legendären „Fischzug Petri“ zeigt. Zu sehen ist aber nicht etwa der See Genezareth, auf dem sich dieses Wunder laut den Berichten der Evangelisten ereignet hat, sondern der Bodensee – leicht zu identifizieren anhand der für diese Gegend typischen Pfahlbauten, die an seinen Ufern stehen. Witz hat also gleichsam ein Porträt der Bodenseelandschaft hinterlassen, und zwar mit einem Ausmaß an Aufmerksamkeit, als sei es ihm eigentlich um diese Landschaft gegangen und das wundersame Geschehen nur der Vorwand für die Malerei.

 

In den darauffolgenden Jahrhunderten wird sich das Motiv „Landschaft“ immer mehr verselbständigen, für den Philosophen Joachim Ritter wird es gar zur Leitfigur des „Ästhetischen“ schlechthin, dessen Zweck sich in seiner (in diesem Fall: angenehmen) Wahrnehmbarkeit vollständig erfüllt[1]. Diese Funktion, das Ästhetische in seiner reinsten Form erleben zu lassen, erfüllt sonst nur noch die Kunst.

 

Wie und wie sehr Kunst das ästhetische Erleben motiviert, produziert und thematisiert, sehen wir exemplarisch an den Arbeiten von Judith Funke. Ihre Werkgruppe Pfähle wurde von den eben erwähnten Pfahlbauten im Bodenseeraum inspiriert. Dieser Architekturtypus gehört nach der Höhle zu den ältesten Formen fester Behausungen und reicht bis in die Stein- und Bronzezeit zurück. Angesiedelt zwischen Land und Wasser ruhen die Wohnstätten auf Unterkonstruktionen aus organischem Material (Holz). Diese zunächst waldartig anmutenden Unterkonstruktionen sind auf einigen der Bilder von Judith Funke als vertikale Formationen deutlich zu erkennen; auf anderen Malereien stehen die Anlehnungen und Verbindungen der einzelnen Stämme untereinander sowie ihr Verwittern und Einsinken im Mittelpunkt des künstlerischen Interesses. Von hier aus, vom Schwankendwerden und Kippen der Vertikalen und ihren Überlagerungen, gelangt die Malerin zu ihrer Werkgruppe der Constructions. Wir folgen ihrem Blick ins Detail, hin zu dem Punkt, an dem das Motiv „zerspringt“ (Judith Funke) und zur schieren Form wird. Silhouetten entstehen durch Abklebungen auf der Leinwand, die übermalt und teilweise wieder entfernt werden, so daß sie als Gestaltnegativ, aber auch als Bewegungsspur „gelesen“ werden können. Das hierarchielose Miteinander“ (Judith Funke) der Constructions/Konstruktionen ist immer zugleich Idee und Substrat: zum einen visualisieren sie in ihrer Dynamik die gestaltende Kraft der Künstlerin und das, was sie antreibt, zum anderen sind sie, woraus sie bestehen: nämlich Farbpigmente auf einem Bildträger (Leinwand oder Papier).

 

Wir dürfen uns Judith Funke als „inwendig voller Figur“ vorstellen (mit diesen Worten bezeichnete Albrecht Dürer den Zustand seines Reichtums an inneren Bildern); und wir können ihr – auf dem Umweg über ihre Bilder – gleichsam dabei zuschauen, wie dieser innere Zustand Form und Material wird. Gerade die Zusammenschau der verschiedenen Bilder der Werkgruppen lässt erkennen, wie ein Thema, etwa die Pfähle, sich immer wieder und immer weiter verselbständigt. Die Bildfläche und das, womit sie sich füllt, wird zum Dialogpartner, denn es gibt für Judith Funke „kein fertiges Bild im Kopf“. Vielmehr sieht die Künstlerin sich selbst „mitten in der Farbe“ stehend und gesteht ihr ein Eigenleben zu; sie lässt die Farben sich ausbreiten, miteinander und mit ihr kommunizieren.

 

Fast scheint es so, als kämen die Bilder von weiter her, als sei die Malerin das Medium, der begabte Leib, durch den sich die Farben Präsenz, Form und Inhalt verschaffen. Jedenfalls hat die dabei – im Spiel und im Experiment – entstehende Malerei ihren Gegenstand ganz und gar an sich selbst: sie ist insofern äußerst konkret auch dort, wo sie „abstrakt“ scheint. Auch in ihrer vermeintlichen Gegenstandslosigkeit bildet sie etwas ab: die Art und Weise der Künstlerin, die Welt zu sehen, zu verarbeiten, ihr malend nach zu denken. Geschichtetes und Übermaltes schimmert wie bei einem Palimpsest als Spur eines früheren Prozesses durch, auf den Oberflächen breiten sich die Lineaturen netzartig aus. Diese Netze gleichen Kartierungen von Wegen ebenso wie neuronalen Verbindungen. Entsprechend wirken die Bilder untereinander verbunden, aber auch jeweils mit dem Raum, in dem sie sich befinden: sie gehen über ihre materiellen Ränder hinaus, sind nicht nur nach rechts und links, oben und unten weiterdenkbar, sondern auch nach vorne und hinten.

 

Mit ihrer Ausstellung Hidden layers lädt uns Judith Funke gleichsam buchstäblich ins Verborgene ein, in die Schichten ihres Bewusstseins, und wir können nachvollziehen, wie ihre je eigenen Denk- und Gestaltungsprozesse Bild werden.

 

Anna Zika

 



[1] Vgl. Joachim Ritter, Landschaft; zur Funktion des Ästhetischen in der modernen Gesellschaft, Münster 1963.

 


Text von Anke Schmich zur Ausstellung:

 

6 Künstlerinnen 2015

Scheidt‘sche Hallen Essen

 

Judith Funke: Malerische Abstraktionen in Linie und Form „Quito I, II und III“ heißen die 170 x 180 cm messenden Großformate, die uns die Solinger Künstlerin Judith Funke in Tempera auf Leinwand präsentiert. Manchmal stellen sich trotz aller Abstraktheit ad hoc figurative Assoziationen ein, wie z.B. Umrisse von Stühlen, Tischen, Leinwänden, Staffeleien, Stoffen und ähnlichem mehr. Doch obwohl die Meisterschülerin der Freien Akademie der bildenden Künste in Essen auch diplomierte Innenarchitektin ist, scheint die Darstellung solcher Objekte eher konzeptionell zweitrangig. Quito ist nämlich der Name der Hauptstadt Ecuadors, die 20 km südlich des Äquators auf 2850 Metern Höhe in den Anden liegt. Dort verbrachte die Künstlerin vor einigen Jahren im Rahmen einer längeren Reise durch Südamerika 2 Wochen und ließ das quirlige, bunte Treiben der südamerikanischen Hauptstadt auf ihr künstlerisches Schaffen Einfluss nehmen. Die ungegenständliche Malerei Judith Funkes lebt von sehr differenziert gestalteten Linien und Farbflächen, die ganz betont einzelne Bildpassagen strahlend hervorheben, andere wiederum hinter transparenten Farbschichten zurücktreten lassen. So auch bei Exponaten aus der Serie „cut across“. Die durch geometrisch anmutende Muster strukturierten und in ihrer Farbtonalität rhythmisierten Bildräume sind für das Auge des Betrachters erst nach längerem Hinschauen in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Hell–Dunkel–Kontraste in leuchtenden Farben, teils sogar Neonfarben, eröffnen dem Rezipienten vielfältige Schichten eines Davor und Dahinters, eines sich Kreuzens zahlreicher Flächen und Linien. Die Intention der Künstlerin entwickelt sich in einem konstruierten Bildraum, der über mehrere Schaffensstadien hinweg ihr künstlerisches Anliegen in Werken voller Ästhetik sowie kontrastreicher, farbiger Leuchtkraft vermittelt. Dabei ist die künstlerisch zu erforschende Bedeutung der Fläche und der Linie gedanklich omnipräsent. Judith Funke gewährt ihren lebhaften Farben im Bildraum freie Korrespondenz und verortet das Verhältnis von linearer Begrenztheit zur formlosen, flächigen Ausdehnung.

 

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