Bajardo

BAJARDO, Installation 2021
BAJARDO, Installation 2021

Seit längerem verfolge ich in meiner künstlerischen Arbeit die Möglichkeiten von Umstrukturierungen. Ausgangspunkt der Installation „Bajardo“ war die zwiespältige Atmosphäre des ligurischen Dorfes, die ich dort bei einem Arbeitsaufenthalt 2019 erfahren habe.

 

Die alten Häuser kleben dicht gedrängt auf einer Felsnase und sind umgeben von einer Fülle von Natur, zur einen Seite Meeresblick und zur anderen die Seealpen. Trotzdem wirkt der Ort leblos und deprimiert, wie überschattet von den vergangenen Ereignissen. Die Erdbebenkatastrophe 1887, bei der über 100 Menschen in der zusammenstürzenden Kirche umgekommen sind, scheint noch allgegenwärtig. Viele Menschen sind seit dem weggezogen und die meisten Häuser stehen verlassen und ausgestorben da. Und doch hat Bajardo eine Anziehungskraft mit seinen idyllisch verwinkelten Gassen und spektakulären Ausblicken.

 

Die Mehrdeutigkeit des Ortes hat mich zur Frage des „was wäre wenn?“ geführt und dem Gedankenkonstrukt, neue mögliche Zusammenhänge, Orte und Ereignisse zu kreieren.

 

So verwende ich beiläufiges Material um mich dem heutigen Ort zu nähern und einzugreifen.

 

Tuschezeichnungen der Silhouette des Ortes entstehen auf Papier. Portraitfotos von den Grabsteinen des örtlichen Friedhofs finden Einlass in die Zeichnungen. Die Abbilder sind mit Zwirn verbunden und zu neuen, willkürlichen Lebens - Konstellationen geformt. Auf Wellpappe mit Malerei collagiere ich die leeren Rahmen der Portraits. In Anlehnung an die Portale, von denen es mehrere in Bajardos Gassen gibt, entstehen Malereien und Tuschearbeiten. Die Anordnung der leeren Fensterlöcher und ineinanderfließenden Dachformationen reizen mich zu Skizzen auf Karton.

 

Die Installation ist flexibel und befindet sich im Prozess, sowohl in den Einzelaspekten als auch in den raumbezogenen Ausmaßen.